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TANZ IN RHYTHMUS
Heidrun Hoffmann

"Ich bin eine Tänzerin in meinem Herzen,

Trommlerin in diesem Leben

und Lehrerin mit großem Vergnügen."

Heidrun Hoffmann verbindet Tanz und Musik, Performance und Meditation auf ihre ganz persönliche Weise. Das folgende Gespräch wurde in diesem Sommer via Fax zwischen Heidrun Hoffman (San Francisco) und FOCUS (Wien) geführt.

Frage: Wie bist Du zu Deiner Arbeit mit dem Tanz gekommen?

HH: Ich denke, es begann mit meiner Mutter, die mich sehr früh immer wieder fragte: "Was willst Du werden?" Ich war vielleicht 10 Jahre alt, als sie damit begann. Zu der Zeit war ich im Ballett und träumte den Traum, den so viele kleine Mädchen träumen. Ich wollte Tänzerin an der Oper werden... Bis es an die Spitzenschuhe ging, da hing ich das klassische Ballett an den Nagel und wußte, was ich werden wollte. Ich wollte alles über Bewegung und Tanz lernen und Lehrerin werden.

Ich hatte und habe das tiefe Bedürfnis, Tanz und Bewegung allen Menschen nahe zu bringen, so daß sie es wirklich genießen können, einen Sinn darin sehen und Spaß damit haben auf ihre kreative Weise. Mein erster Schritt in diese Richtung war, Gymnastiklehrerin zu werden. Ich machte 1979 mein Examen in Berlin und arbeitete 3 Jahre in diesem Beruf mit ausnahmslos allen Altersstufen. 1982 lernte ich dann Reinhard Flatischler kennen, den Begründer der TA KE TI NA - Rhythmusarbeit. TA KE TI NA ist ein Weg, Rhythmus mit dem ganzen Körper zu erfahren und zu verinnerlichen. Diese Arbeit hat zum Ziel, sowohl das persönliche Wachstum zu unterstützen als auch die musikali schen Fähigkeiten zu schulen. Es ist eine wunderbar einfache Sicht von Rhythmus, die mich über die Jahre selbst zum Trommelspielen gebracht hat.

Frage: Was bedeutet "Tanz in Rhythmus" oder TA KE TI NA inRhythmus?

HH: In der Zeit des Lernens mit Reinhard reiste ich sehr viel und hatte Gelegenheit, ethnische Tänze zu studieren, wie Samba in Brasilien und Kathak in Indien. Während TA KE TI NA die rhythmischen Gemeinsamkeiten verschiedenster Kulturkreise erfahrbar macht, ging ich auf die Suche nach den Gemeinsamkeiten im Tanz. Tanz in Rhythmus - Rhythmus in Tanz ist meine Kreation, Rhythmus und Tanz in ihrer Verbindung zu erfahren. Es ist ein prozeßorientierter Weg, bei dem es darum geht, über das Tanzen einfacher Rhythmusenergien mit den eigenen Rhythmen in Kontakt zu kommen. Tanz in Rhythmus - Rhythmus in Tanz ist somit also rhythmisches Tanzen und Tanzen mit einem Rhyth musinstrument.

Frage: Auf welche Wurzeln greifst Du in Deiner Arbeit zurück?

HH: Die Gymnastik, die Improvisation, TA KE TI NA und die Rhythmustherapie, die vor allem auch Bioenergetik, Gestalt- und Hypnoarbeit beinhaltet. Auf Grundprinzipien im Samba und Kathak, und natür lich das Trommeln.

Frage: Was bedeutet Tanz für Dich? Kann jeder tanzen?

HH: Tanz ist für mich Ausdruck des Lebens und die Kraft, mit der Natur unseres Seins in Verbindung zu sein. Tanz ist etwas sehr Ursprüngliches. Ja, ich glaube, jeder Mensch kann tanzen. Ich behaupte sogar, daß jeder Mensch tanzt, jeden Tag. Wir sind oft Sklave der Bewegung. Durch bestimmte Aufga ben, Dinge, die wir erledigen MÜSSEN, lassen wir unsere Bewegungen einschränken. So funktionieren wir nur mehr, anstatt den Tanz durch unser Leben wahrzunehmen und zu genießen. Ich betrachte die Art und Weise, wie wir unseren Körper halten beim Sitzen, beim Gehen, wenn wir reden, wenn wir schweigen, sogar, wie wir unsere Zähne putzen, als unseren persönlichen Tanz im Alltag. Bewegung wird in dem Moment zum Tanz, wenn das Bewußt sein mit dabei ist. Den Beobachter in uns zu aktivie ren, ist ein sehr wertvoller Schritt auf dem Weg.

Frage: Ich habe mich noch nie gerne bewegt, möchte es aber lernen. Kann ich das lernen?

HH: Ich glaube, wir können alles lernen, was wir lernen wollen. Die besten Erfahrungen habe ich damit gemacht, jedem seinen Weg ganz behutsam selbst finden zu lassen. Oft tragen wir innere Blockaden mit uns herum, die Zeit brauchen, gefunden und aufgelöst zu werden.

Dem Wenigen Aufmerksamkeit schenken, was sich entwickeln will, akzeptieren, hineinspüren, sich Zeit lassen, sind für mich die bereits gefundenen Schlüs sel für die Möglichkeit, die Einheit zwischen Körper, Bewegung und Lust wiederzufinden. Dann gibt es natürlich auch körperliche Blockaden wie Schmer zen. Eine Unannehmlichkeit, mit der jeder von uns fast täglich umgehen muß. Bewegung macht oft schlummernde Schmerzen deutlich. Bewegung ist aber auch häufig einziger Erlöser für Schmerzen. Welche Einstellung wir zu Schmerzen haben, spielt dabei eine große Rolle. Schmerzen ist die Sprache unseres Körpers. Ich persönlich heiße jeden Weg willkommen, der uns diese Sprache verstehen lernt.

Frage: Wie kann ich Rhythmus lernen?

HH: Jeder Mensch hat Herz- und Atemrhythmus neben vielen anderen. Es ist offensichtlich, daß wir Menschen von Grund auf rhythmischer Natur sind. Rhythmus ist ein großes Mysterium. Wie weit das jemand versteht und als Ausdrucksmittel einsetzen kann, hängt sehr stark von den Lebensbedingungen und der gedanklichen Prägung ab. Zu Beginn meiner Arbeit geht es für viele erst einmal darum, die hinderlichen Prägungen loszuwerden. Mit dem Satz: "Du kriegst ja doch kein Bein vor das andere" läßt sich schwer tanzen und mit dem Umhänge-schild: "Du bist sowieso hoffnungslos unrhythmisch" ist es fast unmöglich, irgend einen Zugang zu Rhythmus zu finden.

Die Erlaubnis, sich Zeit in dem Annäherungsprozeß mit Rhythmus zu geben, ist der erste große Schritt und damit meistens ein Erfolgserlebnis.

Ich glaube, daß unser Körper der beste Ausgangs punkt, ja das beste Instrument ist auf dem Weg, sich Rhythmus zu eigen zu machen. Wenn elementare Rhythmusenergien körperlich verankert sind, entwickelt der Körper ein Körperwissen, ein Gefühl, auf das er zurückgreifen kann beim Erlernen einer Trommel oder eines anderen Instrumentes.

Frage: Warum glaubst Du, haben viele Leute auch Angst vor Rhythmus?

HH: Das ist vor allem in unseren Breitengraden der Fall, denn wir wachsen in der Regel nicht mit der Trommel auf. Darum ist Rhythmus uns nicht so vertraut wie Menschen aus Afrika, Indien, Brasilien usw. Ursprünglich ist uns Rhythmus aber sehr nah, wie schon erwähnt, unser Herzschlag hält uns am Leben. Rhythmus berührt uns in unseren tiefsten Schichten. Rhythmus kann uns helfen, Dinge von uns kennenzulernen, die tief in uns verborgen sind. Das macht manchen zu Beginn Angst, ist aber ein tief heilsamer Prozeß. Ich betrachte Rhythmus und Tanz als ein wunderbares Gefäß, mit einem großen Fassungsvermögen für unsere Gefühle und all den Erlebnissen aus Vergangenheit und Zukunft. Es kann ein wunderbarer Weg sein, zu mehr Wissen über sein Innerstes zu gelangen.

Frage: Was erfahre, erlebe ich in Deinem Workshop? Was sind Deine Ziele?

HH: Wie Du ja weißt, nenne ich meine Arbeit auch "eine Reise durch rhythmische Landschaften", mit diesen Reisen versuche ich ein Feld zu schaffen, in dem jeder zunächst einmal seinen eigenen Körper als sein Zuhause betrachtet. Mit diesem Gefühl von Zuhause-Sein kann jeder sich selbst begegnen und beobachten wie er mit sich und anderen umgeht. Ich lasse für alle Übungen und Bewegungen, die ich anbiete, viel Zeit, so daß es möglich ist, das eigene Zeitmaß zu entdecken und im eigenen Tempo musi kalischen Rhythmus mit tänzerischer Bewegung zu verbinden. Es ist ein Weg, die Sprache seines Körpers kennenzulernen. Die Begegnung mit dem eigenen Herz- und Atemrhythmus und das behut same Eintauchen in die verschiedensten, rhythmi schen Welten schafft häufig ein fremdes und doch vertrautes Gefühl. Es hat die Qualität von Erinnern, von Wiederentdecken, wo wir schon einmal gewe sen sind. Dies ist eins der wundervollen Geheim nisse von Rhythmus, es verbindet uns mit den Archetypen, rhythmische Grundmuster, die uns allen innewoh nen. Mein tiefster Wunsch ist es, in einem Workshop diese Erinnerungen anzuregen, aufzufrischen, so daß sie in spielerischer Weise auf ganz persönliche Art wieder Bestandteil im Alltag werden. Auf einem Spaziergang sein eigenes Lied und seinen eigenen Tanz aus dem Moment heraus zu finden, kann sowohl eine zentrierende Meditation sein oder genußvolles Esprit für den Tag.

Frage: Kannst Du uns noch ein Beispiel für Tanz und Rhythmus geben?

HH: Ja, gerne. Erinnere Deine letzte Bewegung: War es Deine Hand oder Dein Kopf, der sich zuletzt bewegt hat? Hattest Du vielleicht gerade Deine Position verändert? Kannst Du dieselbe Bewegung wiederholen? Mach die Bewegung nochmals und fühle ihre Qualität und vielleicht ihren Sinn. Keinen Sinn? Macht nichts, aber bleib eine Weile dabei. Die stetige Wiederholung dieser einfachen Bewegung kreiert eine pulsierende Bewegung. Ich stelle mir vor, wie Du jetzt möglicherweise lang sam Deinen Kopf schüttelst oder dieses Interview immer wieder neu in die Hände nimmst oder aufstehst und Dich hinsetzt, immer wieder, immer wieder...

Während Du eine einfache Bewegung wiederholst, beginnst Du Dich selbst zu beobachten, entspanne Dich dabei und mach es Dir immer bequemer. Wenn Du weitergehen magst, horche, wie Deine Bewe gung jetzt klingen könnte und beginne, sie zu singen. Beginne zunächst ganz leise in Dir und laß es allmählich lauter werden, bis das Lied Deiner Bewegung auch nach außen hörbar wird. Genieße diese Verbindung zwischen Stimme und Bewegung ein Weilchen. Ich vermute, daß sie durch ihre Wiederholung einen stark pulsierenden Charakter hat. Wenn Du willst, bringe jetzt Deinen Tanz ins Gehen. Fühle, wie Dich jeder Schritt erdet und Dich mit dem Puls Deines Liedes verbindet. Versuche, Dich in Deiner Bewe gung noch mehr zu entspan nen. Laß Dich nieder, auch wenn es sich vielleicht komisch anfühlt. Wenn Du Dir erlaubst, frei zu werden, beobachte, was sich alles verändert...

Wann immer Du bereit bist, Deinen Tanz zu been den, führe Dein Lied allmählich in die Stille. Bleib einen Moment ruhig stehen, schließe Deine Augen und spüre Deinen Körper....

HEIDRUN HOFFMANN: Sie ist ausgebildete Gymnastiklehrerin und erfahren in Jazz- und Modern Dance, Tanztheater und Improvisation. 1982 wurde sie Partnerin von Reinhard Flatischler, dem Begründer der Rhyth muslehre TA KE TI NA. Seither begann sie Percus sion und die TA KE TI NA-Rhythmusarbeit zu studie ren und mit Tanz zu verbinden. Besonders der SAMBA aus Brasilien und der KATHAK aus Indien haben einen wertvollen Stellen wert in ihrer Arbeit. Gemeinsam mit Reinhard Flatischler gab sie zahl reiche Workshops und Duokonzerte in Europa und auch in Amerika. Sie begleitete zwei Ausbildungsphasen zum Rhyth mustherapeuten mit R. Flatischler und Dr. Wolf Büntig (Bioenergetik und Gestalt) 1984 - 1990. Seit 1986 gibt sie offene Workshops und Weiterbil dungen in "Tanz in Rhythmus - Rhyth mus in Tanz", ihre Form, die TA KE TI NA - Rhythmusarbeit im Tanz anzuwenden. Ihre Leidenschaft liegt bei den Tanztrommeln TSCHANGGO und SAM BUK (traditionell Korea). Hier trifft sich Tanz und Musik, und auf ihre persönli che Weise findet sie hier ihre Verbindung von Performance und Meditation. Seit 1993 lebt sie in USA, Kalifornien und läßt sich von ihrer Zusammenarbeit mit den SAN JOSE TAIKO Trommlern inspirie ren. Ihre Form, Sam Buk und Taiko miteinander zu verbinden, ist einzigartig und sehenswert.

siehe auch http://www.dirrid.com

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